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Handlungsregulation

Die Handlungsregulation bezeichnet einen Sachverhalt, daß jede komplexe menschliche Tätigkeit unter Ausführung psychischer Vorgänge geregelt wird. Die psychische Regulation der Handlung als der psychologischen Einheit von Tätigkeiten umfaßt die nach der Art der Bestandteile, Wechselbeziehungen und Veränderungen im Handlungsverlauf zu kennzeichnende Struktur aller steuernd bzw. regelnd, kurz regulierend, wirksamen psychischen Vorgänge, Gebilde und Eigenschaften.

Theoretische Modellbildung

Die wichtigsten Kennzeichen sind die auf der Vorwegnahme wenigstens des Resultats beruhende Zielgerichtetheit und das Entstehen sowie die Organisation der hierarchisch und zyklisch organisierten Komponenten nach den Erfordernissen der aufgabengerechten Handlungsführung. Die unter kybernetischen Aspekten verallgemeinerten physiologsichen, ethologischen und psychologischen Ergebnisse der Untersuchungen zur Handlungsregulation stimmen gut mit einem Denkmodell von Petr Kusmitsch Anochin (1898-1974) überein, daß er als funktionelles System bezeichnete, und das Afferenzsynthese, Aktionsprogramm- und Aktionsakzeptorbildung sowie Rückmeldungsverarbeitung einschließt und in das speziellere Modelle (TOTE-Einheit) sowie aktivierungstheoretische Konzepte eingebaut werden können. Aus der Analyse der Verlaufs der regulierten Tätigkeiten, die der experimentellen Denkweise folgt, lassen sich die psychischen Regulationsvorgänge erkennen.

Ablauf

Im Regulationsvorgang können akzentuierend Regulationsanteile unterschieden werden. Der Aspekt des Richtens geht von der vorgegebenen Aufgabe aus, die übernommen wird und auf der Grundlage der gleichzeitig zu entwickelnden Motivierung das Arbeitsergebnis als Ziel antizipiert, das sowohl stimulierend, regulierend sowie als Vergleichswert wirkt. Im Schritt des Orientierens wird aus dem Ausgangszustand und aus den Ausführungsbedingungen einschließlich der wirksamen technologischen Gesetzmäßigkeiten die Orientierungsgrundlage geschaffen, die das Aufnehmen und Verarbeiten aktuell wirksamer Informationen und das Aktualisieren von Kenntnissen und Erfahrungen umfaßt. Dabei werden die Ziele sowie die Ausgangsbedingungen untersucht, Wege und Mittel, sie zu erreichen, aktualisiert und Hypothesen dazu aufgestellt. Kennzeichnungsmöglichkeiten bieten das Inventar der Signale, die Qualität der Beurteilung von Umweltzuständen und die Beschaffenheit der vorausgesetzten Kenntnisse.

Ordnungsprinzipien

Auf der Grundlage des Vergleichs von Ausgangszustand, Zielvorstellung und einsetzbaren Überführungsbedingungen wird das Entwerfen von Aktionsprogrammen, -mustern und -entwürfen möglich. Ausgehend von der Ableitung der zu durchlaufenden Teilziele aus dem Ziel, werden aus dem einschlägigen Vorgehensprinzip, dem Funktionalwert, die Operationsfolgen einschließlich der einzusetzenden Mittel abgeleitet und zeitlich geordnet. Bei zahlreichen Tätigkeiten erfolgt nach dem Ableiten von Teilziel- und Operationsfolgen nach der sequentiellen Ordnung eine Resynthese in rationelle, größere Einheiten, in eine hierarchische Ordnung bis hin zu komplexen Handlungsplänen oder Strategien. Da zumeist gleiche Ziele auf unterschiedliche Weise erreicht werden können (im sogenannten Handlungsspielraum), ist eine Entscheidung erforderlich.

Psychische Vorgänge im Handlungsvollzug

Mit dem Vorsatz zum Verwirklichen des ausgewählten Weges als Ergebnis des Entschließens erfolgt der Übergang von der Handlungsvorbereitung zum Handlungsvollzug. Wegen der Unterschiede in Inhalt, beteiligten Vorgängen und wirksamen Gesetzmäßigkeiten wird in beiden Schritten vergröbernd zwischen vorwiegend beziehungsstiftenden oder affekten, handlungsveranlassenden oder motivierenden und handlungssichernden oder volitiven antriensregulatorischen Vorgängen sowie vorwiegend kognitiven ausführunsgregulatorischen Vorgängen unterschieden, zu denen das Orientieren, das Entwerfen, das Entscheiden und Kontrollieren des Ausführens am inneren Modell gehören.

Theoretische Modellvorstellungen für den Handlungsvollzug

Im Vorsatz bleiben während des Handlungsvollzugs antriebsregulatorische Vorgänge wirksam; darüber hinaus bilden die zurückgestellten Verrichtungen ein Muster abzuarbeitender Intentionen. Die entscheidende Funktion für das forderungsgerechte Ausführen der Handlung hat das innere Modell oder System operativer Abbilder. Mit den im System operativer Abbilder enthaltenen Sollwerten, z.B. Zielen und Teilzielen, werden beim Kontrollieren des Ausführens als reafferenter, die zyklische Struktur kennzeichnender Form des Orientierens erfaßten Zustände verglichen. Aus ihm in seiner Eigenschaft als hierarchisches Modell des Ergebnisses und der erforderlichen Verrichtungen einschließlich der Ausführungsbedingungen, also aus dem Aktionsprogramm, werden im Fall des Nichtübereinstimmens von Soll- und Istzustand die erforderlichen weiteren Schritte entnommen bzw. an ihm im Sinne des vorstellungsmäßigen und gedanklichen Operierens am Modell abgeleitet.

Hierarchieebenen des inneren Modells

Das innere Modell enthält die für das Regulieren unerläßlichen Invarianten. Der Wechsel von Vergleich, Veränderung und erneutem Vergleich, im Sinne der Rückkopplung, bildet eine zyklische Struktur. Handlungen lassen sich darstellen als Hierarchie ineinander enthaltener zyklischer Regulationseinheiten. In dieser Hierarchie sind mindestens drei Ebenen der Ausführungsregulation von Handlungen zu unterscheiden:

  • die intellektuelle

  • die perzeptiv-begriffliche

  • die sensumotorsiche

Unterschiede betreffen das Ausmaß an kognitiver Vermittlung, die Wirkungsbreite und die Bewußtseinsfähigkeit bzw. -plicht. Die beim Erfüllen eines Auftrags entstehenden Anforderungen der Handlungsregulation hängen in erster Linie von der Beschaffenheit der Aufgabe hinsichtlich der Eingriffspunkte und dem dabei gegebenen Handlungsspielraum ab.