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Emotionstheorien

Man kann Emotionstheorien grob in zwei Klassen einteilen. Zum einen gibt es die dimensionale Klassifikationen von Emotion, die Emotionen als Ausprägung auf bestimmten Dimensionen ansieht. Zum anderen gibt es die kategoriale Klassifikation von Emotion, die Emotion als Mischung aus bestimmten Basisemotionen ansieht.

Dimensionale Klassifikation von Emotionen

Hier nimmt man an, dass die Emotion das Resultat einer mehr oder minder starken Ausprägung auf mehreren bestimmen Dimensionen ist. Es besteht jedoch Uneinigkeit darüber, welche Dimensionen dies sind. Wundt nahm etwa die folgenden drei Dimensionen an:

  • Spannung - Lösung
  • Lust - Unlust
  • Erregung - Beruhigung

Kategoriale Klassifikation von Emotionen

Verfechter dieser Theorie gehen davon aus, dass sich die Emotionen aus bestehenden Basisemotionen zusammensetzen. Dies sind Emotionen, die nicht weiter auf andere Emotionen zurückgeführt werden können bzw. Emotionen, aus denen sich alle anderen - komplexeren - Emotionen zusammensetzen.

Lothar Schmidt-Atzert führte dazu eine Untersuchung durch, bei der die Versuchsperson dazu aufgefordert wurde, in einer Liste die Ähnlichkeit von Begriffen einzuschätzen. Dann wurden die Begriffe mit der größten Ähnlichkeit zu Gruppen formiert und als Basisemotionen deklariert.

Plutchik extrahierte schließlich acht Basisemotionen, die jeweils noch in ihrer Intensität verschieden stark ausgeprägt sein konnten und ringförmig angeordnet wurden, so dass das entstandene Bild einer halbierten Orange gleicht. In dem Ring wurden die Emotionen so angeordnet, dass ähnliche Emotionen dabei möglichst nah beieinander lagen und unähnliche Emotionen weit voneinander entfernt waren. Emotionen, die sich aus zwei in diesem Ring direkt benachbarten Emotionen zusammensetzten, bezeichnete Plutchik als primäre Dyaden (auch Primäremotionen genannt), solche die aus einer Zusammensetzung von Emotionen entstand, bei denen eine Emotion dazwischen lag als sekundäre Dyaden und solche bei denen zwei Emotionen dazwischen lagen als tertriäre Dyaden - die beiden letzteren Typen wurden auch Sekundäremotionen genannt. Hierbei waren die tertiären Dyaden komplexere Emotionen als die sekundären Dyaden, welche wiederum komplexer als primäre Dyaden waren, welche wiederum komplexer als die Basisemotionen waren. Emotionen, die sich aus Emotionen aus gegenüberliegenden Bereichen zusammensetzten, waren schließlich so verschieden, dass sich ihre Wirkung wieder aufhob.

Diese acht (bzw. sieben) Basisemotionen sind

  • Furcht
  • Ärger
  • Freude
  • Traurigkeit
  • Akzeptieren/Vertrauen
  • Ekel
  • Überraschung

Sie haben sich (nach Plutchik) aus evolutionären Kontexten entwickelt. Insbesondere war mit jeder Emotion auch ein Handlungsimpuls verkettet - bei Furcht etwa eine Fluchttendenz.

Die Theorie der Basisemotionen stieß häufig auf Kritik, da von unterschiedlichen Forschern nicht immer die gleichen Basisemotionen - insbesondere noch nicht einmal die gleiche Anzahl von Basisemotionen - gefunden werden konnte. So nahm man an, dass eine solche empirischen Breite in den Ergebnissen nicht auf ein fundamentales Konstrukt, wie das der Basisemotionen zurückgeführt werden kann. Andere Stimmen regten sich dagegen und meinten, dass die Benennung der Basisemotionen vielleicht durchaus verschieden sein kann, das was die einzelnen Forscher aber konkret darunter verstanden, wohl dasselbe sein konnte. Nichtsdestotrotz ändert dies nichts an der Tatsache, dass diese Basisemotionen tatsächlich bestehen können - wenngleich stichhaltige empirische Belege dafür bisher fehlen.

Zwei-Komponenten-Theorie

S. Schachter und J. E. Singer entwickelten 1962 die Zwei-Komponenten-Theorie der Emotion wie Ärger oder Freude:

Nach dieser Theorie kann man emotionales Verhalten in ein Kette von Einzel-Komponenten aufspalten: Die soziale Situation, die physiologische Reaktion, die kognitive Bewertung, die aufgrund der individuellen Lerngeschichte und überdauernder Persönlichkeitsstrukturen erfolgt, das beobachtbare Verhalten, die nachfolgenden Ereignisse.

Die Zwei-Komponenten-Theorie beeinflusste andere Theorien zu Emotionen. Nachfolgende Arbeiten haben jedoch beständig gezeigt, dass sich Emotionen weitaus komplexer darstellen.

Siehe auch: Psychologie, Verhaltenstherapie, Liste der Theorien, Emotionsarbeit

Links

Emotion - Psychologische Modelle